Hamburg: Grüner Ring (1 + 2). Ohlsdorf – Stellingen – Teufelsbrück

Geschafft! Gut 100 Kilometer und mehrere Monate hat es gedauert, den Kern der Hansestadt auf dem Grünen Ring zu umrunden. Die letzte Etappe mit etwas mehr als 22 Kilometern führte mich vom S-Bahnhof Ohlsdorf bis zum Fähranleger in Teufelsbrück, mal wieder in Gegenrichtung gelaufen. Stadtwandern ist nicht für jeden attraktiv, aber ich mache es immer wieder gerne und liebe es, auf diese Weise die verschiedenen Landschaftstypen der Stadt zu erkunden. Sogar in meiner Heimatstadt stoße ich immer wieder auf unbekannte Ecken und kleine Schätze, auf die ich ohne die bewusst gewählte Langsamkeit nie gekommen wäre.

Grüner Ring 1 + 2

Von Ohlsdorf aus geht es ein Stück den Alsterwanderweg entlang. Hier zeigt sich Hamburg wieder einmal als Stadt des Wassers und als Eldorado für Wassersportler. Auch von einem Kajak oder Kanu aus hat diese Gegend einen ganz besonderen Reitz. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, dabei ist es organisatorisch überhaupt kein Problem. Es gibt viele gute Einsetzmöglichkeiten und einige Bootsverleihe.

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Kanus und Alster: Das passt gut zusammen
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An der Alster darf es gerne etwas gediegener sein

Nach einer Weile verlässt die Route die Alster und führt durch super gepflegte Kleingärten direkt am Gelände des Flughafens entlang. Auf der ganzen Etappe ist von den startenden und landenden Flugzeugen nicht viel zu hören, das ist hier natürlich dann doch etwas anders. Zumindest heute am Sonntag macht die Lufthansa Technik zum Glück eine Pause, die arbeiten sonst bestimmt auch nicht ganz geräuschlos. Staunend komme ich an einem älteren Haus vorbei, auf dem in dicken Lettern „Villa Waldfrieden“ steht. Na gut, mit ein bisschen Humor und Selbstironie lässt sich die Nachbarschaft wahrscheinlich einfach besser aushalten.

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Zäune, Video, Sicherheit. Ich bekomme Sehnsucht nach dem Tempelhofer Feld.

Der Flughafen ist schnell vorbei und wird vom Niendorfer Gehege abgelöst. Ein richtiger Stadtwald mit rund 15 Kilometer Wanderwegen, Einkehrmöglichkeit und Ponyhof. Für Kinder eine tolle Sache, natürlich auch wegen des Damwildgeheges, bei dem sich die zahmen Bewohner auch mal durch den Zaun hindurch streicheln lassen.

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Frische Blätter für den Hirsch, unwiderstehlich

Durch die Eidelstedter Feldmark geht es an der Kollau und später an der Düngelau entlang. Hier gibt es noch richtige Landwirtschaft, wer hätte das gedacht. Von weitem habe ich einen großen Acker gesehen, auf dem richtig viele Leute mit Gartengeräten unterwegs waren. Nach einem Spargelfeld sah das nicht aus. Ich tippe darauf, dass dort ein paar von den Parzellen sind, die man für „richtige“ Gartenarbeit pachten kann. Da geht es nicht um reine Freitzeit wie meistens im Kleingarten, sondern um den Anbau von Gemüse und Kräutern für die eigene Küche. Eine gute Sache. Aber aufwändig, wenn man nicht gleich nebenan wohnt.

Und noch einmal zum Thema Kleingärten: Kurz vor Stellingen habe ich was dazugelernt. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es in Hamburg ein Komitee für Igelschutz gibt, das auch ein Nottelefon und ein Haus für kleine Winterschläfer unterhält. Vor ein paar Jahren wurde das Haus durch einen Brandanschlag zerstört und dann wieder aufgebaut. Der Verein muss ganz schön engagiert sein, dass er das überlebt und geschafft hat.

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Prämierter Kleingarten

Kurz darauf komme ich an einem Garten vorbei, der ungewöhnlich zugewachsen und verwuselt aussieht. Also fast wie meine eigenen paar Quadratmeter hinter dem Haus. Schön wild und man hat immer ein schlechtes Gewissen, weil da so viel Arbeit auf einen wartet. Stattdessen drücke ich mich davor und gehe Wandern. Aber dann dieses Schild: Dritter Platz im Wettbewerb für naturnahe Kleingärten der Hansestadt Hamburg. Oh! Die Jury lade ich mal zu mir nach Hause ein, dann fühle ich mich gleich viel besser …  So – das war’s aber jetzt mit den Gartengeschichten, versprochen.

In Stellingen geht es durch einen Tunnel unter Bahn und Autobahn hindurch in den Altonaer Volkspark. Der Tunnel ist voll mit sehenswerten Graffiti und es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Liebe und Aufwand die Künstler in ihre Werke stecken. Es liegt schließlich in der Natur der Sache, dass sie oft nach kurzer Zeit wieder verschwinden und neuen Ideen Platz machen müssen.

Die A7 direkt über dem Tunnel ist im Augenblick eine einzige, riesengroße Baustelle. Mit schwerem Gerät wird die alte Fahrbahn zerlegt, da ist natürlich immer Stau. Und ich bin froh, dass ich damit nichts zu tun habe und zu Fuß gehen kann.

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Bloß nicht auf die schiefe Bahn geraten

Der Altonaer Volkspark ist auch so eine Ecke, in der ich noch nie gewesen bin. Eingefleischte HSV-Fans mögen mir verzeihen: Sogar das Volksparkstadion kenne ich nicht, schließlich drücke ich die Daumen für den FC St. Pauli. Der Volkspark ist ein abwechslungsreiches Parkgelände mit hügeligen Waldwegen, auf denen es auch mal ein paar Treppen rauf und runter geht. Zum Schluss kommt dann noch der angeblich älteste Dahliengarten Europas mit über 600 verschiedenen Sorten. Allerdings sollte man den später im Jahr besuchen, im April beginnen die Vorbereitungen für die Saison und es ist von den Pflanzen überhaupt noch nichts zu sehen.

Am DESY vorbei führt die Route in Richtung Osdorf und dann zum Loki-Schmidt-Garten, dem Botanischen Garten mit verschiedenen Themengärten auf einem 24 Hektar großen Parkgelände. Sicher sehr sehenswert, aber leider nicht Teil der Route. Es gibt auch keine Zugänge direkt am Weg und so muss man – wenn es kein extra Umweg werden soll – wohl oder übel an einem Zaun entlang daran vorbei laufen. Schade, es wäre natürlich viel schöner, wenn der Weg direkt durch den Park führen würde.

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Die letzten Meter des Grünen Rings führen mich durch den Wesselhoeftpark hinunter zur Elbe. Puh, hier kommt richtig Wind auf und ich muss meine Jacke anziehen, die ich den ganzen Weg über im Rucksack hatte. Erstaunlich, wie sich der Fluss mit seinen offenen Flächen bemerkbar macht, obwohl er noch gar nicht zu sehen ist.

Am Fähranleger Teufelsbrück geht die Etappe zu Ende. Bei dem schönen Wetter ist es sehr belebt und die Leute genießen die Sonne. Mir bleibt allerdings nicht viel Zeit, um das sehenswerte Elbufer zu genießen. Die 64er Fähre liegt schon an der Brücke und eine dichte Menschentraube wartet darauf, dass die Gangway ausgefahren wird. Ich komme gerade noch rechtzeitig und bin schon wenige schaukelige Minuten später am anderen Ufer. Am Fähranleger Rüschpark, an dem ich die Umrundung Hamburgs begonnen habe. Der Ring ist geschlossen, es war einfach wunderbar. Aber für die letzten Kilometer nach Hause nehme ich dann doch lieber den Bus.

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Fähranleger Teufelsbrück
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4 Gedanken zu “Hamburg: Grüner Ring (1 + 2). Ohlsdorf – Stellingen – Teufelsbrück

  1. Glückwunsch! Alles geschafft. Uns hat damals ein Gärtner hinten aus dem Loki-Schmidt-Garten rausgelassen. Das war natürlich super. Welche Etappe hat Dir denn am besten gefallen?

    1. Da habt ihr echt Glück gehabt. Und welche Etappe am schönsten war? Erstmal alle zusammen natürlich, wegen der Abwechslung. Von der Natur her hat mir der Osten am besten gefallen – ganz vorne die Boberger Niederung, die Dove Elbe und ein bisschen Wilhelmsburg

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