Untere Seeveniederung: Junkernfeld und Seevengeti

Zwischen dem Rangierbahnhof Maschen und der Elbe bei Over liegt das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung. Es ist nicht besonders groß, hat aber dafür auf kleinem Raum viel Natur zu bieten und lädt zu einer schönen Rundwanderung ein, die etwas mehr als 9 Kilometer lang ist.

nsg-untere-seeveniederung

Ich beginne die Runde auf dem Parkplatz bei einer alten Erdölpumpe, die eine Art Industriedenkmal ist. Hier wurde bis 1993 Erdöl aus einer Tiefe von fast 2.000 Metern gefördert. Sicher keine Mengen, mit denen die Leute zum Ölscheich werden konnten, aber man rechnet ja gar nicht damit, dass hier überhaupt Öl unter der Erde liegt.

Ölquelle
Tiefpumpenantrieb mit so genanntem Pferdekopf

Als hier noch kein Naturschutzgebiet war, muss es über Jahre ziemlich rumpelig ausgesehen haben. Dieser Landzipfel wurde beim Bau des benachbarten Rangierbahnhofs mit Torf und Sand vollgekippt, der dort für einen vernünftigen Baugrund entfernt werden musste. Der Bahnhof entstand mitten in einem Moorgebiet.

Längst hat sich die Natur das Gelände zurückgeholt und durch die gezielte Beweidung mit robusten Rindern ist eine offene, besonders nährstoffarme Naturlandschaft entstanden. Zusammen mit dem benachbarten Steller See ist das Ganze zu einem wertvollen Biotop mit dem Namen „Seevengeti“ geworden. Hier gibt es eine Aussichtsplattform und einen Aussichtspunkt für die Vogelbeobachtung. Beides baue ich in meine Runde ein und hoffe darauf, dass mir endlich mal ein Eisvogel vor die Nase fliegt. Die künstlichen Nisthöhlen sollen ja gut angenommen werden, aber das Glück will sich einfach nicht einstellen. Wahrscheinlich bin ich mal wieder viel zu ungeduldig und tauge nicht zum Vogelfreak.

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Seevengeti-Aussichtspunkt

Ich habe mir einen waschechten Apriltag für die Runde ausgesucht und muss immer wieder etwas Windschatten suchen, wenn der starke Wind Regen und Hagel waagerecht über das Land fegt. Zum Glück kommt zwischendurch die Sonne raus und pustet mich wieder trocken. Kein Wunder, dass die Seeve so viel Wasser führt.

Seeve
Die Seeve auf ihren letzten Metern vor der Mündung in die Elbe

Besonders bekannt ist das Naturschutzgebiet nicht nur wegen der vielen Wasser- und Wiesenvögel, sondern auch wegen der seltenen Schachblume, die hier in großen Mengen vorkommt. Sie blüht allerdings nur für kurze Zeit im April und Mai. Deswegen ist mir auch das Wetter total egal, weil ich endlich einen Blick auf die kleinen geblümten Kostbarkeiten werfen möchte. Und es klappt: Auf  den großen Wiesen des Junkernfeldes ist ein Meer von lilanen und weißen Punkten zu sehen, so viele dieser kleinen Blumen blühen gerade. Ich bin begeistert und kann mich gar nicht satt sehen, es ist einfach wunderbar.

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Da sind sie: Massenhaft Schachblumen

Eine ganze Weile geht es die Wiesen entlang in Richtung Elbe, immer begleitet von mehr oder weniger großen Schachblumen-Ansammlungen. Ohne Regulierung durch den Menschen wären diese Bestände längst verschwunden. Es ist schon erstaunlich, dass kurz vor der Elbe auf einmal Schluss mit den Blumen ist. Nur ein Zaun trennt beblümtes und nicht-beblümtes Gebiet voneinander, und beide Wiesen sehen für den Laien komplett identisch aus. Das kann doch kein Zufall sein? Ich tippe darauf, dass starke Beweidung, der Einsatz von Düngemitteln und häufiges Mähen die Schachbrettblumen von der einen Wiese vertrieben haben.

Jetzt geht es ein kleines Stück auf dem Elbdeich entlang, bevor der Weg über den Herrendeich wieder zurück führt. Der Bereich rund um das Seeve-Sperrwerk ist von einer Schafherde mit vielen kleinen Lämmchen bevölkert. Die Kleinen sind wirklich niedlich und halten blökend permanenten Kontakt zu ihren Müttern, eine ganz schön dichte Geräuschkulisse.

Schafe_2
Durchgezählt: Schafherde mit viel Nachwuchs

Unterwegs werde ich Zeuge eines kleinen Beinahe-Dramas mit einer Familie, die sich ausgerechnet den heutigen Tag zum Kitesegeln ausgesucht hat. In der Nähe des Elbdeichs standen sie mitten auf einer großen Wiese in einem heftigen Hagelschauer und hatten ziemliche Mühe, ihr Fluggerät zu bändigen. Gar nicht auszudenken, was passieren kann, wenn eines der fest zupackenden Kinder bei einem Windstoß in die Höhe gerissen wird. Ich bin beruhigt, als die große rote Stoffmenge nach und nach in einem Packsack verschwindet.

Der Weg über den Herrendeich ist landschaftlich ganz in Ordnung, obwohl man aus dieser Richtung vom Junkernfeldsee nicht viel sehen kann. Bäume versperren leider die Sicht. Aber es ist immer schön, wenn man leicht erhöht auf einer Deichkrone laufen kann.

Junkernfeldsee
Beobachtungsturm am Junkernfeldsee bei Hörsten

Am südlichen Ufer des Sees gibt es einen kleinen Parkplatz und einen Aussichtsturm für die Vogelbeobachtung. Heute sind auf dem See allerdings nicht viele Vögel zu sehen, dafür ist auf den umliegenden Feuchtwiesen umso mehr los. Wahrscheinlich ist es zu anderen Zeiten deutlich interessanter, zum Beispiel während des Vogelzugs. Dann schaue ich auf jeden Fall wieder vorbei.

Der Weg führt noch einmal über die Seeve und an der Erdölpumpe vorbei, dann bin ich wieder am Ausgangspunkt angekommen.

GPX-Track bei GPSies

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3 Gedanken zu “Untere Seeveniederung: Junkernfeld und Seevengeti

    1. Aber ja, es gibt ca. 20 Kilometer westlich von Celle sogar das Deutsche Erdölmuseum. Wietze heißt der Ort, auch dort wurde Erdöl gefördert. Ich war allerdings noch nicht da und kann nicht sagen, ob es sich lohnt.

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