Hamburg: Grüner Ring (3 + 4). Mittlerer Landweg – Jenfeld – Ohlsdorf

Ein weiterer Abschnitt meiner Wanderung auf dem 2. Grünen Ring rund um Hamburg. Die Tour führte mich durch den Nordosten der Hansestadt vom Mittleren Landweg bis nach Ohlsdorf. Ein kontrastreiches Programm mit einigen Naturperlen zu Beginn, richtigem Großstadt-Ambiente in der Mitte und einer Erinnerung an die letzten Dinge am Ende.

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Gleich am Anfang ging es in die schönste Natur zur Boberger Niederung. Davon hatte ich schon viel gehört, aber als echter Süderelbe war ich tatsächlich noch nie bis hierhin vorangekommen. Ja, natürlich ging es über die Autobahn schon oft dran vorbei und drum herum. Aber es war nie Zeit für einen Abstecher und so musste erst eine Wandertour her, um diese wunderbare Perle zu entdecken.

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Pfad im Naturschutzgebiet Boberger Niederung

Die Gegend gilt als botanisch wertvollstes Gebiet Hamburgs und beheimatet viele Tierarten, die auf der Roten Liste stehen. Es lohnt sich ganz bestimmt, dieses Naturschutzgebiet nicht einfach nur zu durchqueren, sondern es in aller Ruhe zu genießen. Viel, viel Sand gibt es hier und auch richtige Dünen – so weit weg vom nächsten Meer. Und einen ehemaligen Baggersee zum Baden.

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Boberger Kiessee

Gleich hinter den weitläufigen Liegewiesen des Sees liegt der Segelflugplatz Boberg. So ganz habe ich nicht mitbekommen, wie der Flugbetrieb und ein Naturschutzgebiet zusammenpassen. Aber wahrscheinlich vertragen sich die beiden ganz gut und Segelfliegen hinterlässt vielleicht auch nur sehr wenige Spuren in der Landschaft.

Heute war Hochbetrieb. Alle paar Minuten wurde ein Segelflieger mit einer Seilwinde kräftig beschleunigt und hob nach einer erstaunlich kurzen Fahrt über das etwas rumpelige Feld ab. Ziemlich steil ging’s nach oben und der Fahrtwind sorgte für ein mächtiges Brausen, bevor das Flugzeug im Gegenlicht verschwand.  Da würde ich gerne mal mitfliegen.

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Segelfluggelände Boberg

In der Umgebung einer Großstadt hat es die Natur nicht leicht, heute nicht und früher schon mal gar nicht. Gleich hinter dem Naturschutzgebiet verläuft die A1, und kurz davor kam eine Art Berg mit sehr regelmäßig ansteigenden Flanken zum Vorschein. Was in der Nähe einer Autobahn am Rande der Stadt so aussieht, ist mir einer gewissen Wahrscheinlichkeit mal eine Müllhalde gewesen.

Und tatsächlich liegt hier eine stillgelegte, mit viel Aufwand gesicherte Deponie für Industrieabfälle. Auf der anderen Seite der Autobahn gibt es gleich noch eine. Einige wenige Häuser wirken hier wie Außenposten der Zivilisation. Wo man nicht gerne wohnen will und nicht so recht weiß, was sich unter den eigenen Füßen befindet. Aber hier muss man durch, um zu den Parks und Grünzügen der stadtnahen Wohnviertel zu kommen.

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Öjendorfer See im Öjendorfer Park

Bald darauf ging es durch den Öjendorfer Park und am Öjendorfer See entlang. Der offen angelegte und von vielen Rasenflächen geprägte Park ist riesig. So viel Platz, da kommt man sich auch an schönen Sommertagen bestimmt nicht zu nahe, wenn man das nicht will. Es gibt eine gute Infrastruktur mit Spielplatz, Badestellen, großen Liegewiesen und einem Kiosk. Besonders beeindruckend fand ich den Minigolfplatz, der sehr old style war und mich an das Glück meiner Kindheit erinnerte. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Bei Minigolfplätzen muss das wohl so sein, sie sind eben zeitlos. Einfach nicht tot zu kriegen.

Jenfeld, Tonndorf, Farmsen. Weiter ging es durch Grünzüge zwischen Wohngebieten hindurch.

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Max-Herz-Ring, ehemalige Trabrennbahn Farmsen

Auf dieser Tour gab es mal wieder eine Menge über meine Heimatstadt zu lernen. Ich habe zum Beispiel immer gedacht, dass es an der U-Bahn-Haltestelle Trabrennbahn auch wirklich eine Trabrennbahn gibt. Sogar das Oval ist auf dem Stadtplan noch sehr gut zu erkennen. Aber dort angekommen habe ich mir ordentlich die Augen gerieben. Da ist gar keine Trabrennbahn!

Statt dessen neu gebaute Wohnhäuser und alles ist weg, was an die Vergangenheit mit dem Pferdesport erinnert. Mal abgesehen vom Namen des U-Bahnhofs und der Anordnung der Wohnhäuser, die das Oval der Rennbahn nachzeichnen. Dazwischen liegen eine großzügige Grünfläche und einige kleine Teiche. Eine ziemlich gelungene Lösung, die Geschichte des Ortes mit einer neuen Nutzung zu verbinden, wie ich finde. Angeblich wollten die Architekten mit der Gestaltung der Fassaden und schrägen Dächern zusätzlich einen tribünenartigen Eindruck schaffen. Das habe ich aber erst nachträglich gelesen und bei meiner Wanderung wäre ich da nie drauf gekommen.

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Kunst im öffentlichen Raum – keine Ahnung, wo das genau war

Die nächsten Kilometer führte die Tour ziemlich geschickt durch viele kleine Grünstreifen hindurch. Mitten durch die Stadt, aber trotzdem fast immer was Grünes vor der Nase. Sogar im besonders dicht bevölkerten Steilshoop mit seinen vielen Hochhäusern gibt es den Bramfelder See, der ein wichtiges Naherholungsgebiet ist.

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Friedhof Ohlsdorf

Am Schluss dieser Etappe des Grünen Rings lag der Ohlsdorfer Friedhof, der im Laufe der Zeit nicht nur die letzte Ruhestätte für mehrere hunderttausend Menschen geworden ist, sondern zugleich auch ein riesiger Park. Der Wanderweg führt leider nicht an einigen der künstlerisch beeindruckenden Grabstätten vorbei, sondern direkt über einen großen Hauptweg in Richtung Bahnhof.

Aber vielleicht möchte auch nicht jeder so direkt mit Tod und Vergänglichkeit konfrontiert werden und ist ganz froh, wenn man da ein bisschen auf Abstand bleiben kann. Wer will, kann nur wenige Meter vom Hauptweg entfernt ganz anders ins Nachdenken kommen als in einem normalen Park. Wobei der Ohlsdorfer Friedhof sowieso einem Park immer ähnlicher wird, nicht zuletzt durch die veränderte Kultur bei den Bestattungen. Aufwändige Grabmale und große Gräber mit viel Platzbedarf gibt es immer weniger, man verabschiedet sich von seinen Liebsten eher in bescheidenerem Rahmen oder auch so nah an der Natur wie möglich.

Direkt hinter dem Friedhof liegt der Bahnhof Ohlsdorf, gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mein heutiges Ziel.

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5 Gedanken zu “Hamburg: Grüner Ring (3 + 4). Mittlerer Landweg – Jenfeld – Ohlsdorf

  1. Wie schön. Und so unfassbar viel Licht! Das macht sehnsüchtig …

    Ich sollte auch wieder mal ausschreiten, das wollte in letzte Zeit nicht so und täte doch gerade erst recht gut. Viele Grüße in den Norden!

  2. Oh! Das sieht aber schön aus. Schade, dass Hamburg so weit von uns entfernt liegt. 😢
    Darf man diese Karte eigentlich von den Rechten her einbinden? Ich suche noch was brauchbares für meine Wanderbeiträge und komme da nicht weiter..

    1. Also, das mit der Karte … ich sag mal so: Komoot bietet das Einbetten solcher Touren selbst aktiv an und stellt sogar den Code dafür zur Verfügung. „Auf geht’s, zeig deine Tour auf deiner Webseite“ heißt es da. Das ist ja Werbung für das Angebot und durch die Verlinkung bekommt das Portal mehr Nutzer. Die Kartendaten selbst stammen von Openstreetmap und dürfen frei verwendet werden. Für eine klare rechtliche Bewertung kenne ich mich allerdings nicht gut genug aus.

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