Hamburg: Grüner Ring (5). Mittlerer Landweg – Veddel

Ein weiterer Abschnitt meiner Wanderung auf dem 2. Grünen Ring rund um Hamburg. Die Eindrücke dieser Etappe lassen sich ganz gut mit einem einzigen Wort auf den Punkt bringen: Wasser. Und zwar Wasser zum Angucken und Wasser zum Trinken. Und in diesem goldenen September fast auch noch Wasser zum Baden.

Mittlerer Landweg - Veddel

Los ging’s am S-Bahnhof Mittlerer Landweg, der im Hamburger Stadteil Billwerder liegt. Die Billwerderaner mögen es mir verzeihen, aber man wundert sich ja schon, dass ausgerechnet an diesem Ort eine Haltestelle ist. Denn irgendwie ist hier gar nichts, einfach Niemandsland. Aber immerhin ist es bis zur Dove Elbe nicht weit, und da ging es zunächst mal hin. Ich kam an vielen typischen Siedlungs-Doppelhäusern vorbei, die seit Generationen um- und ausgebaut werden. Und auch an einem Gedenkstein, an dem der Wasserstand der Sturmflut von 1962 markiert war. Auch hierhin ist das Wasser also damals gekommen und hat große Schäden angerichtet. Solchen Hinweisen bin auf dem südlichen Teil des Grünen Rings schon oft begegnet und zu Fuß wurde mir die Dimension bewusst, die die Sturmflut seinerzeit gehabt haben muss. Kein Wunder, dass diese Katastrophe sich so fest im kollektiven Gedächtnis verankert hat.

eichbaumsee

Der erste besondere Punkt der Tour war der Eichbaumsee, der eigentlich aussieht wie ein superschöner Badesee. Es gibt einen feinen Sandstrand und viel Rasenfläche zum Ausbreiten. Doch die Idylle trügt: Der See ist von fiesen Blaualgen bevölkert und die Wasserqualität so schlecht, dass das Baden seit einige Jahren verboten ist. Nur ein paar Angler bevölkern den Strand. Den Fischen machen die Blaualgen anscheinend überhaupt nichts aus – aber hm,  ob das wohl so richtig lecker ist?

Nur ein schmaler Grünstreifen trennt den Eichbaumsee von der Dove Elbe. Dieser Abschnitt ist sehr schön, mit Wasser auf beiden Seiten des Weges. Hier gibt es einen ziemlich belebten Hundestrand. Die Zweibeiner verzichteten wegen des Windes auf ein erfrischendes Bad, aber die Vierbeiner sprangen glücklich und aufgeregt in der Elbe herum. Die Fellnasen hatten Riesenspaß beim Planschen und Herumjagen und sorgten für einen ausgeprägten Klangteppich, der mich noch eine ganze Weile begleitete.

drachen

Kurze Zeit später befand ich mich im Auenland. Ich rieb mir die Augen, Moment: Kleine Hügel, unter denen sich runde Eingänge zu Hobbit-Häuschen ducken? Alles ziemlich niedrig und der eine oder andere Hinweis auf die Anwesenheit von mindestens einem Drachen? Drachen: Ja, stimmt. Hobbits: Nein, leider doch falsch. Hier leben die Drachenboote des Sportvereins Nettelnburg/Allermöhe. Und sie werden von einer integrativen Mannschaft gefahren, also von Menschen mit und ohne Behinderng. Das finde ich super.

Weiter ging es die Dove Elbe entlang, vorbei an der Regattastrecke des  Wassersportzentrums Hamburg-Allermöhe und wirklich richtig vielen Marinas, Yachtklubs, Boots-Lagerhallen und was man sonst noch so für den Wassersport braucht.

Besonders bemerkenswert ist das alte Fachwerkhaus am Moorfleeter Deich 359, das direkt am Elbdeich steht. Bei diesem Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde kurzerhand ein städtisches Landhaus mit Festsaal angebaut. Ein prima Sommersitz für reiche Hamburger Bürger mit bestem Blick auf die Elbe und auch heute noch sehr sehenswert.

Wer gerne auf Deichen spazieren geht, ist mit dieser Etappe des Grünen Rings gut bedient, denn der Weg führt zu einem Gr0ßteil auf oder neben dem Deich entlang, zuerst an der Dove Elbe und später an der Norderelbe. Zu sehen gibt es hier eine Menge längst stillgelegter Anlagen für die Trinkwassergewinnung. Besonders beeindruckend und immer einen Besuch wert ist die sogenannte Wasserkunst auf der Elbinsel Kaltehofe. Dieses Industriedenkmal zeigt, wie früher Wasser aus dem Fluss (was ja gleichzeitig Abwasser der Städte weiter oben an der Elbe war …) zu Trinkwasser gemacht wurde. Hier geht es nicht nur um Wissen, sondern auch um Kultur, Natur und Kunst.

norderelbeImmer wieder gaben die Bäume am Deich den Blick auf die Norderelbe und ganz hinten am Horizont die Brücken über die Norderelbe frei. In der Ferne gut zu erkennen waren die Hauptkirchen, die Elbphilharmonie und auch der Fernsehturm.

Etwas störend fand ich allerdings den Lärm, der aus dem Industriegebiet der Peute vom anderen Elbufer herüberzog. Es war nichts zu sehen, aber dafür eindeutig zu hören: Ein Haufen Motorräder bei irgendwelchen Rennen. Reifengummi in Rauch verwandeln, das klappte anscheinend gerade ganz gut.

Der letzte Grünzug vor der Überquerung der Brücken in Richtung Veddel war der Elbpark Entenwerder. Diese großzügige Parkanlage ist vielen Leuten vielleicht gar nicht so bekannt (mir ist es jedenfalls so gegangen), obwohl sie über frisch angelegte Radwege inzwischen auch sehr gut aus der Innenstadt erreichbar ist. Der Elbpark liegt wirklich toll an der Elbe und bietet viele Möglichkeiten für Sport, Grillen, Chillen, etc.

Am östlichen Ende befindet sich das traditionsreiche Ausflugslokal „Entenwerder Fährhaus“, und in der Mitte der Grünanlage auf einem Ponton direkt am Fluss das hippe Café „Entenwerder 1“. Das Entenwerder 1 wurde zuletzt mit einem goldenen Pavillon erweitert, einem begehbaren Kunstobjekt. Das sieht zwar sehr hübsch aus, aber seinen Kaffee möchte man in diesem Pavillon dann doch lieber nicht trinken. Dort oben ist es offen und zugig, gleichzeitig ist aber der Blick auf die Elbe durch die goldene Fassade hindurch nicht richtig möglich. Also, praktische Architektur geht irgendwie anders. Aber alles nicht so schlimm, da es ohnehin viel schöner ist, direkt auf dem Ponton zu sitzen und den Blick über die Elbe schweifen zu lassen.

elbbruecke

Nun musste ich nur noch einmal über die Elbe rüber, dieses Mal über die Norderelbe und dann durch einen nicht besonders einladenden Teil der Veddel zum Ziel der Etappe: Dem S-Bahnhof Veddel.

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