Von Schneverdingen durch die Heide

Die Lüneburger Heide – ist das nicht diese beschauliche Destination für Kaffeefahrten während der Heideblüte? Immer ein bisschen kitschig und mit honigsüßer Romantik. Jederzeit könnte Roy Black schmachtend hinter einem Wacholderbusch auftauchen.

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Nein, nein, das ist natürlich Quatsch. Obwohl die Heide an vielen Stellen nun wirklich wie die reinste Postkartenidylle aussieht. Welch ein Kontrast zu den Lebensumständen der Menschen, die hier früher in ihrem harten Alltag zurecht kommen mussten.

Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist ein tolles Wandergebiet, das sich durch ein großes und zusammenhängendes Wegenetz auszeichnet. Hier kann man schöne Strecken in einer abwechslungsreichen Umgebung finden und zu längeren Touren kombinieren.

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Voraussetzung ist allerdings, dass man das recht platte Flachland und die über weite Strecken sehr offene und karge Landschaft mag. Aus meiner Sicht ist das aber gerade der ganz besondere Reiz der Heide.

Meine Wanderung war eine Rundtour von Schneverdingen nach Niederhaverbeck und wieder zurück. Mit einer ausgiebigen Rast zur Halbzeit in Niederhaverbeck.

Die Lüneburger Heide ist touristisch wirklich gut erschlossen und zeichnet sich durch eine prima Infrastruktur mit vielen Möglichkeiten zur Einkehr aus. Wegen der landschaftlichen Highlights führen auch bekannte Fernwanderwege durch das Gebiet wie der Heidschnuckenweg, der Freudenthalweg, der Jakobusweg oder der E1. Wenn man diesen Wegen folgt, ist das Finden der Wanderperlen ein Kinderspiel.

Tour Schneverding - Niederhaverbeck

Pietzmoor

Zu Beginn der Tour ging es nicht gleich in die Heide, sondern erstmal in einem Schlenker durch das Pietzmoor. Die meisten Touren führen um dieses Moor herum, was aber sehr schade ist – bitte nicht verpassen.

Seit den 1970er Jahren wird das Moor renaturiert. Ein solider Holzsteg führt an den vielen kleinen und rechteckigen Seen vorbei, die durch den Torfabbau entstanden sind. Bei gutem Wetter ist das Pietzmoor wohl ziemlich gut besucht. Auf der ganzen Wanderung habe ich jedenfalls die meisten Menschen auf diesem kurzen Abschnitt getroffen, wenn ich es recht bedenke. Aber es lohnt sich auch wirklich sehr, hier gibt es tolle Pflanzen und viele Vögel zu sehen.

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Danach führte der Weg durch die Heide Richtung Niederhaverbeck. Es war ziemlich windig und durch die offene Landschaft konnte der Wind so richtig zupacken. Ein paar Mal wurde der Sand auf dem Weg so heftig aufgewirbelt, dass ich mir fast wie in einem kleinen Sandsturm vorkam. Augen zu und Mütze festhalten, fast wie an der See bei einer steifen Brise.

Besonders schön auf diesem Teilstück waren einige Baumgruppen in der Nähe des Wulfsbergs. Ein richtiger kleiner Märchenwald mit interessanten Baumgruppen. Damit will ich sagen, dass es hier gar kein Unterholz gab und dadurch … ach, ich finde einfach nicht die richtigen Worte um das zu beschreiben. Aber schön auf jeden Fall.

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Links im Bild ein schöner Platz für das spontane Biwak. Zur Heideblüte muss man sich den allerdings mit Bienenstöcken und ihren Bewohnern teilen.

Niederhaverbeck

In Niederhaverbeck knurrte mein Magen und es war Zeit für eine leckere Mahlzeit. Hier kann man zwischen einer ganzen Reihe von Restaurants wählen, das sah alles vernünftig und passend für verschiedene Geschmäcker aus. Am einfachsten findet man sicher gutbürgerliche Küche und dort (natürlich) Lamm in diversen Variationen. Obwohl ich an einem Sonntag bei allerschönstem Wetter hier war, gab es draußen überall noch den einen oder anderen freien Tisch.

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Gleich hinter Niederhaverbeck ging es frisch gestärkt und ausgeruht ein Stück an der Haverbeeke entlang. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Bach vor gar nicht langer Zeit noch ein begradigtes Rinnsal war. Heute ist die Haverbeeke wieder ein naturnaher Heidebach, der sein Bett fortwährend umgestaltet und sich auf dem Weg zur Wümme durch die Ebene schlängelt. An dieser Stelle ist der Wanderweg so gut ausgebaut, dass er sogar von Rollstuhlfahrern benutzt werden kann. Das finde ich toll, denn gerade hier ist Landschaft besonders schön.

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Nach der Überquerung der Wümme ging es zuerst vorbei an einem Aussichtspunkt über das Heidetal und dann ein gutes Stück über den Spitzbubenweg mitten durch den Wald in Richtung Schneverdingen.

Angeblich hat der Weg seinen Namen Schmugglern zu verdanken, die hier früher heimlich Salz transportiert haben sollen. Naja, da haben sich die Touristik-Experten mal wieder eine feine Geschichte ausgedacht. Auf jeden Fall handelt es sich um einen schmalen und idyllischen Pfad, und sowas finden wir Wanderer ja immer klasse. Nach den meist breiten und gut ausgebauten Wegen der bisherigen Tour eine sehr willkommene Abwechslung.

Osterheide 

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Das letzte Stück der Runde führte mich durch die Osterheide. Ein ziemlich typisches Heidegebiet, wie ich dachte. Deshalb wollte ich es gar nicht glauben, als ich auf einer Infotafel las, dass dieser Teil der Heide bis Mitte der 90er Jahr ein Truppenübungsplatz für Panzer war. Entsprechend kaputt war die ganze Gegend. Mit viel Aufwand wurde die Natur wieder zurechtgebogen und inzwischen ahnt man praktisch nichts mehr von der jüngeren Vergangenheit.

Kurz vor dem Parkplatz roch es dann auf einmal ziemlich intensiv nach Schaf. Und es dauerte auch gar nicht lange, bis eine große Herde aus Heidschnucken und Ziegen hinter einer Kuppe auftauchte und genau vor mir über den Weg lief. Begleitet von einem Schäfer und zwei aufgeweckten Hunden, die sich zwischendurch die eine oder andere Streicheleinheit von mir abholten. Ein schöner Abschluss meiner Runde.

Und hier noch ein paar Clips von der Tour (2 Min.). Ganz am Ende die unvermeidliche Heidschnuckenherde, die solltet ihr nicht verpassen.

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12 Gedanken zu “Von Schneverdingen durch die Heide

  1. Was für ein Glück Du hattest – ich bin die ersten fünf Etappen des Heidschnuckenweges gegangen, ohne eine einzige Heidschnucke zu sehen 🙂 (Schöne Bilder, schöner Beitrag, man will gleich raus!)

    1. Dabei gibt es überall Ställe in der Heide und auch mehrere Herden. Aber man weiß halt nie, wo die gerade stecken 🙂

      Den Heidschnuckenweg habe ich auch auf der Liste, das ist sicher ein sehr schöner Weg und ich hoffe, dass er dir gut gefallen hat. Ich laufe gerade den „älteren Bruder“, den Freudenthalweg. Aber leider nicht im Stück, sondern immer mal so ein bisschen.

      1. Der Heidschnuckenweg war toll. Ich bin auch tageweise gelaufen. 2 Etappen allerdings am Stück mit Übernachtung – das war eigentlich am Schönsten…

    1. Ja, det har du ret i. I et tætbefolket land som Tyskland er det åbne landskab altid truet. Stadig flere arealer bliver brugt til byer, veje, skove osv – hvis ikke de bliver beskyttede med hensyn til miljøet eller tourismen. Men i Norden har i så mange dejlige steder, hvor du kan finde det åbne land. Jeg håber så meget, i kan bevare det.

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