Pilgern in Hamburg: Der Jakobusweg (2. Teil)

Bei meiner letzten Pilgerwanderung auf dem Jakobusweg von Hittfeld nach Hamburg habe ich nur die Teilstrecke von Harburg bis Hamburg geschafft. Nun wollte ich die Lücke schließen und von Harburg nach Hittfeld gehen und wieder zurück, insgesamt knapp 20 Kilometer.

Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL
Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Vom Harburger Stadtpark und der Außenmühle geht es also direkt nach Süden in Richtung der Stadtgrenze. Für mich eine sehr bekannte Gegend, denn ich wohne ja hier. Und trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie grün es ist, wie schnell man die turbulente Großstadt hinter sich lassen kann und zumindest zwischendurch das Gefühl bekommt, auf dem Land zu sein.

Ein Kloster in Fleestedt

Zunächst geht es einmal unter der Autobahn durch und dann wieder oben drüber. Die Bahn ist auch irgendwo in hörbarer Nähe. Also, ganz schön laut ist es auf den ersten Metern in Niedersachsen ja schon. Der erste Ort ist dann Fleestedt. Ganz unspektakulär und eben ein Ort im Speckgürtel der Großstadt. Frisch gemachte Straßen, es wird schick renoviert und teuer neu gebaut. Und mittendrin gibt es einen Bauernhof, in dem noch echtes Leben ist. Im Stall stehen ein paar Kühe auf Stroh und auf dem Hof wächst tatsächlich ein richtiger Misthaufen. Und das mitten im Wohngebiet.

Ich stelle mir vor, wie der Trecker Sonntag früh durch die neu gepflasterte Straße tuckert und der Misthaufen ordentlich riecht, wenn der Wind richtig steht.  Ich habe viel Sympathie für diesen alteingesessenen Hof und wünsche ihm tolerante Nachbarn, die das so akzeptieren, wie es ist.

Ein Stück weiter geht es an einer Häusergruppe vorbei, die wie ein Tagungshaus aussieht. Aber es ist kein Hinweisschild zu sehen, das Gras ist hoch gewachsen und die Anlage macht auf gewisse Weise einen verwunschenen Eindruck. Was könnte das sein?

Eine kleine Recherche löst das Rätsel und die Überraschung ist groß: Es handelt sich um ein Kloster, oder genauer um ein Haus der Evangelischen Schwesternschaft Ordo Pacis. Die dort wohnenden Schwestern sehen ihren Auftrag in einem Leben im Gebet. Stille und Begegnung teilen die Schwestern auch mit Gästen, denen sie Gelegenheit geben, Spiritualität und Abstand vom Alltag zu erleben. Das passt doch sehr gut zu einer Pilgerwanderung, denke ich, und mache mich wieder auf den Weg nach Hittfeld.

In der Ortsmitte von Fleestedt ist richtig was los. Es ist Schützenfest und auf dem Platz vorm Schützenhaus gibt es Würstchen und diverse Kaltgetränke. Große Attraktion ist der Autoscooter. Mitten am Tage sind es vor allem Kinder und Jugendliche, die dafür sorgen, dass kaum eines der kleinen Autos einsam am Rand stehen bleiben muss.

„Himmel – sehr greifbar“  in Hittfeld

Pilgerstein bei Hittfeld
Pilgerstein bei Hittfeld

Zwischen Fleestedt und Hittfeld steht ein Pilgerstein am Weg, der wohl gerade erst vor wenigen Monaten aufgestellt worden ist. Ich merke erst jetzt, dass ich völlig das Fotografieren vergessen  habe und krame die Kamera für ein paar Aufnahmen aus dem Rucksack.

Hoffentlich kommen noch ein paar schöne Motive. Ich habe Glück, denn ab jetzt kommt die Kunst ins Spiel.

Zunächst eine schön gestaltete Bushaltestelle beim Haus Huckfeld, einer Wohnanlage für Menschen mit Behinderung. Die Bushaltestellte wurde in einem Projekt gemeinsam von Bewohnen und Grundschulkindern bemalt. Das Ergebnis finde ich schön und gelungen.

Haus Huckfeld fährt bunt ab
Haus Huckfeld fährt bunt ab

Es geht vorbei an einem Haus mit skurrilem Garten, in dem allerlei merkwürdiger Krimskrams zu finden ist. Und kurz vor dem Ziel führt der Weg an der Werkstatt des Schuhmachers Fritz Dehrmann vorbei, der seine Schaufenster zu einem liebevoll bestückten Schuhmacher-Museum umgestaltet hat. Es gibt Handwerkszeug aus verschiedenen Epochen zu sehen und auch die Mini-Werkstatt eines afghanischen Schusters, der aus Wenig die nötigsten Dinge herstellen kann. Auch eine Kunst.

„Himmel – sehr greifbar“

Im Ortskern erreiche ich dann die Kirche Sankt Mauritius, das Ziel der heutigen Etappe. Zu meinem Erstaunen ist die Kirche geöffnet, das habe ich gar nicht erwartet. Normalerweise sind viele Kirchen ja außerhalb der Gottesdienste geschlossen.

Vielleicht hat die Öffnung auch mit der aktuellen Kunstausstellung zu tun. Egal, auf jeden Fall hatte ich Glück und konnte nicht nur die Kirche besichtigen, sondern auch die Installations-Ausstellung „Himmel – sehr greifbar“ der Künstlerin Inge-Rose Lippok.

In der Kirche hängen an drei Fenstern blaue Plexiglas- und Kunststoffelemente bis auf den Kirchboden herab, sie fließen die Treppe zur Empore hinunter und an der Außenwand aus der Kirche heraus. Sehr gelungen und eine Einladung für jede Menge Assoziationen. Ich setze mich eine Weile und lasse die Installation auf mich wirken. Der Himmel kann einbrechen und schlimm aus den Fugen geraten, aber auch strahlen und Farbe ins Leben bringen. Zufrieden mache ich mich mit diesen Eindrücken auf den Heimweg.

Westliche oder östliche Variante?

Der Jakobusweg bietet zwischen Harburg und Hittfeld zwei Varianten an, eine östliche und ein westliche. Auf dem Hinweg bin ich den östlichen Weg gegangen, durch Fleestedt und vorbei am Pilgerstein. Auf dem Rückweg nehme ich die westliche Route und komme so am Golfclub Hittfeld vorbei. Naja. Die schönere Strecke ist jedenfalls die im Osten.

Nach knapp 20 Kilometern komme ich gut gelaunt wieder in Harburg an, das war eine schöne Tour.

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